Meine Oma, sie wurde 94 Jahre alt, konnte bis zuletzt klar beschreiben: „Schau, ich bin müde vom Leben, mein Kopf und auch mein Körper sind müde. Alle aus meiner Generation sind tot, niemand in meinem Alter ist da, der meine Geschichte teilt und versteht und das Leben so sieht wie ich.“
In dieser Situation da zu sein, ohne die lebensmüden Gedanken von Oma wegzureden oder zu beschwichtigen und es gemeinsam auszuhalten, waren wichtig für sie, und auch für uns als Angehörige.

Wenn Oma schmerzfrei mit uns am Tisch saß, und sie sich überzeugen konnte, dass es der Familie gutgeht, dann war es ein guter Tag für sie.
Für mich ist und war meine Oma immer selbstbestimmt und kraftvoll, sie war auch in beruflicher Hinsicht ein Vorbild und hat mich nicht nur in meiner Berufswahl geprägt. Denn Oma hat Zeit ihres Lebens Alte und Sterbende daheim betreut.
Es ist für uns alle wichtig, am Ende unseres Lebens die eigenen Beziehungen, soweit es möglich ist, zu regeln. Und es braucht Menschen, die da sind, aushalten und keine Angst vor dem Abschiednehmen haben. Denn sowohl bei der Geburt als auch im Sterben ist es wichtig, behütet zu sein.
Mag. Martin Prein, Psychologe und Bestatter meint dazu:
„Das offene und unverstellte Aussprechen der Wörter „tot“, oder „gestorben“ hilft den Trauernden einerseits den Tod des Angehörigen zu realisieren, andererseits zeigt man dadurch, dass wir bereit und in der Lage sind über den Schmerz und den Verlust zu sprechen.“
